Zwischen den Welten
Als Heilpflanze drängt sich der Wacholder (Juniperus communis) nicht sofort auf, auch wenn er bei unseren alten Heilkundigen hochgeschätzt war und beim einfachen Volk der Hausmittelapotheke nicht fehlen durfte.
Eine seiner Anwendungen betraf die natürliche Zahnreinigung.
Denn das Kauen der Beeren erfrischt nicht nur den Atem, sondern stärkt aufgrund der Gerbstoffe das Zahnfleisch und beugt deshalb Parodontose auf natürliche Weise vor
Der wehrhafte Nadelstrauch, der je nach Standort eine beachtliche Höhe erreichen kann, wächst relativ langsam. Weil er Wind, Kälte und kargem Boden trotzt, ist er gerade deshalb oft als Solitätpflanze anzutreffen.
Genau darin liegt seine besondere Kraft: Während andere Pflanzen sich in dichter Vegetation verstecken, ihre Blätter und Wurzeln eng aneinander schmiegen oder geschützte Standorte wählen, vertraut der Wacholder auf seine Wehrhaftigkeit und zeigt sich aufrecht und standfest.
Sein Rauch wirkt klärend, nicht durch Verdrängen, sondern durch Ordnen.
Gedanken dürfen sich setzen, Erinnerungen eingeordnet werden.
Aus dieser Klarheit wächst ein inneres Standhalten: Ich bin da. Ich halte Stand. Ich gehe weiter!
Der Name Wacholder lässt sich volkstümlich auf zwei Bedeutungen zurückführen, die weit über das rein Sachliche hinausgehen.
„Wach-holder“ steht für „wachen, aufmerksam sein, schützen“ und verweist auf seine Funktion als Hüter von Grenzen: Haus und Hof, Mensch und Raum, Anfang und Ende.
Quickholder stammt aus dem Althochdeutschen quec und bedeutet lebendig.
Der Quickholder ist der Halter des Lebens, der Bewahrer der Lebenskraft.
Wacholder steht einerseits für Durchhaltevermögen und andererseits dafür, auch unter schwierigen Bedingungen weiterzugehen.
Er erinnert daran, dass Leben Bewegung braucht und manchmal auch Reibung, nur so wird kontinuierliches Wachsen und Reifen möglich.
Kein Wunder also, dass unsere Vorfahren dem Wacholder im Ansehen sogar den Holunder überordneten, wie der alte Reim bestätigt: „Vor dem Holunder musst du den Hut ziehen, vor dem Wacholder niederknien.“
Tatsächlich ist das Nadelgehölz ein verlässlicher Alltagsbegleiter.
Seine blauschwarzen, kugeligen Früchte sind eigentlich Zapfen, die erst nach drei Jahren reif werden und nur an weiblichen Pflanzen wachsen.
Sie unterstützen die Verdauung und den Stoffwechsel, wärmen von innen und bringen Bewegung in die Starre.
Das wertvolle ätherische Öl des Wacholders leistet einen wesentlichen Beitrag für unsere Gesundheit: verdünnt angewendet wirkt es entgiftend, reinigend, durchblutungsanregend und schmerzlindernd. Es wird empfohlen bei Arthrose, Wasseransammlungen, Cellulite sowie geistiger Erschöpfung und Konzentrationsmangel.
Last but not least: kräftige Braten- und Eintopfgerichte profitieren von einer Würzmischung aus 1 halben angerösteten Zwiebel, 3 Knoblauchzehen, 2 TL Rosmarin, 2 TL Majoran, 1EL Paprika, 2TL schwarzer Pfeffer, 2 EL Salz, 2 Lorbeerblätter, 10 Wacholderbeeren, 2EL Bierhefe.
Alle Zutaten trocknen und anschließend im Mörser oder im Mixer pulverisieren.