Die Strategie der Überlebenskünstler

 

Der morgige 3. Adventssonntag wird  auch GAUDETE genannt. Eine Bezeichnung, die zum Ausdruck bringt, dass wir uns über die bevorstehende Geburt des Herrn von Herzen freuen dürfen.

 

Aber gleichzeitig müssten bei mir spätestens jetzt die Alarmglocken schrillen!

Noch keine Kekse, eine begrenzte Anzahl von Geschenken und die Weihnachtsdeko war auch schon mal lobenswerter.

 

Da kommt wohl ein neuer Charakterzug ins Spiel und ich muss mich einmal mehr über die Leichtigkeit des Seins im neuen Lebensabschnitt des zunehmenden Alterns wundern.

 

Vielleicht ist es ja jene vielzitierte Sichtweise durch die Brille der Gelassenheit, die mir, soweit ich mich erinnern kann, in der Jugend sehr oft fehlte.

Neben den beruflichen und familiären Verpflichtungen gab es da schon mal Momente, wo mir alles über den Kopf zu wachsen schien. Besonders zu Weihnachten, denn schließlich galt es ja jener Bilderbuchidylle zu entsprechen, die trotz intensivster Anstrengung nicht immer zum erwünschten Erfolg führte.

 

Heute wage ich von mir zu behaupten, dass ich viele der in meinem Kopf abgespeicherten Gedankenmuster nicht mehr ganz so ernst nehme bzw. öfters kritisch hinterfrage. Ohne überheblich klingen zu wollen, könnte man diesen Status quo vielleicht sogar als die Weisheit des Alters bezeichnen.

 

Wie auch immer habe ich mich heute nachmittags einer Eingebung folgend, auf den Weg gemacht, um für gut zwei Stunden durch die winterliche Natur zu streifen.

Fein war`s, kann ich im Rückblick schlicht und einfach sagen!  Meinem körperlichen und seelischen Wohlbefinden hat der ausgedehnte Spaziergang jedenfalls gut getan.

Dabei ist mir wieder einmal mehr klar geworden, dass sich Augen und Herz nur dann richtig auftun, wenn man auf der "Hut" ist.

 

Vielleicht steckt darin auch das tiefe Geheimnis der Weihnachtsbotschaft.

Nicht der lauten Welt haben sich die Wunder der Heiligen Nacht offenbart, sondern all jenen, die wachsam und in der Stille der Nacht da draußen auf dem Felde weilten

 

Irgendwie bin ich mir bei meiner heutigen Runde auch so vorgekommen und die unbezwingbare Kraft der scheinbar ruhenden Natur hat mich auf ein Neues überrascht. Wie sonst könnten die Blüten von Löwenzahn, Rotklee, Ehrenpreis und die Blätter der Walderdbeeren der Winterkälte trotzen, wenn sie nicht auf ihre Überlebenskunst vertrauten?

Dank einzigartiger Strategien, die in ihrer Genetik seit jeher abgespeichert sind und die sich dennoch den erforderlichen Situationen manchmal erstaunlich schnell anpassen.

 

Eigentlich ist das bei uns Menschen nicht anders als bei den Pflanzen. Lösungsorientierte Taktiken sind gefragt, wenn es darum geht, mit Hindernissen auf unserem Lebensweg bestmöglich umzugehen.

Besonders bei jenen antrainierten Glaubenssätzen, die unsere Entscheidungsfreiheit einschränken oder uns Gewissensbisse bereiten.

Das ist der eigentliche Grund, warum ich mich heute der vorweihnachtlichen Pflichten für eine bestimmte Zeit entzogen habe. Und es ist dabei gar nichts passiert!

 

Weihnachten wird kommen, dessen bin ich mir sicher. Mit oder ohne Spitzbuben, Vanillegipferl und Husarenkrapfen.

 

Welch ein Glück, dass mir heurige Früchtebrot besonders gut gelungen ist!

 

lg md sm xs